Seit Ende Juli beschäftige ich mich mit der ketogenen Ernährung und habe meine Essgewohnheiten verändert. Ohne komplizierte Regeln oder strengen Verzicht, sondern mit einfachen Anpassungen, die sich gut in meinen Alltag integrieren lassen und deren positive Wirkung ich deutlich spüre.
Ich fühle mich energiegeladener, mein Körper ist beweglicher, mein Geist klarer und das Heisshungergefühl ist verschwunden. Insgesamt fühle ich eine wunderbare Leichtigkeit des Seins.
Diese Erfahrungen haben mich neugierig gemacht, besser zu verstehen, was dabei in unserem Körper geschieht.
Zwei Energiequellen
Unser Körper benötigt ständig Energie – für Bewegung, Denken, Atmen und all die unzähligen Vorgänge, die uns am Leben erhalten.
Dafür nutzt er vor allem zwei Energiequellen: Zucker und Fett
Essen wir Kohlenhydrate, z.B. Brot, Reis, Kartoffeln oder Süssigkeiten, werden diese bei der Verdauung zu Glukose (Traubenzucker) abgebaut. Sie liefert unseren Zellen schnell verfügbare Energie. Was nicht unmittelbar benötigt wird, kann der Körper in begrenzter Menge als Glykogen in den Muskeln und der Leber speichern.
Daneben verfügen wir über eine wesentlich grössere Energiereserve: unsere Fettdepots. Das Fett wird hauptsächlich im Fettgewebe unter der Haut und im Bauchraum gespeichert und dient als langfristiger Energiespeicher.
Je nachdem, was wir essen, wie viel wir uns bewegen und wie viel Energie wir benötigen, nutzt unser Körper beide Energiequellen in unterschiedlichem Ausmass.
Was ist Ketose?
Wenn wir unserem Körper über längere Zeit nur wenige Kohlenhydrate zuführen, greift er vermehrt auf Fett als Energiequelle zurück. Die Leber bildet dabei aus Fettsäuren sogenannte Ketonkörper, die unter anderem das Gehirn und die Muskeln mit Energie versorgen können. Diesen natürlichen Stoffwechselzustand nennt man Ketose.
Die ketogene Ernährung macht sich genau diese Fähigkeit unseres Körpers zunutze: Sie reduziert die Kohlenhydratzufuhr so weit, dass der Körper vermehrt Fett und Ketonkörper zur Energiegewinnung nutzt.
Was bewirkt die ketogene Ernährung?
Durch die Umstellung auf eine ketogene Ernährung kann sich auch unser Wohlbefinden verändern. Manche Menschen erleben dabei verschiedene positive Auswirkungen:
Mehr Energie
Ein gleichmässigeres Energieniveau über den Tag.
Geistige Klarheit
Ein klarerer Kopf und bessere Konzentration.
Weniger Heisshunger
Ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl.
Stabilerer Blutzucker
Weniger starke Blutzuckerschwankungen.
Gewichtsregulation
Eine mögliche Unterstützung beim Abnehmen.
Wie stark diese Veränderungen wahrgenommen werden, ist individuell verschieden. Auch benötigt der Körper etwas Zeit, um sich an die veränderte Energieversorgung zu gewöhnen.
Gemüse, gesunde Fette und Eiweiss
Ketogene Ernährung bedeutet nicht, möglichst viel Fett zu essen. Entscheidend ist eine ausgewogene Zusammenstellung der Nahrungsmittel.
Gemüse spielt dabei eine wichtige Rolle. Besonders grünes Blattgemüse, Brokkoli, Zucchetti, Kohl und Salate liefern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Letztere unterstützen unsere Verdauung und eine gesunde Darmflora. Dazu kommen hochwertige Fette aus Olivenöl, Avocados, Nüssen und Samen sowie ausreichend Eiweiss, beispielsweise aus Eiern, Milchprodukten, Tofu, Fleisch oder Fisch.
Zucker, Brot, Teigwaren, Reis, Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Lebensmittel werden hingegen stark eingeschränkt.
Bewegung unterstützt den Stoffwechsel
Unser Körper ist für Bewegung geschaffen. Die Muskulatur spielt eine wichtige Rolle bei der Nutzung unserer Energiereserven. Regelmässige körperliche Aktivität hilft, die Kohlenhydratspeicher in den Muskeln zu beanspruchen, und fördert die Fähigkeit des Körpers, Fett als Energiequelle zu nutzen. Dabei muss es nicht immer anstrengender Sport sein. Gehen, Wandern, Velofahren oder Yoga bringen uns in Bewegung und unterstützen auf unterschiedliche Weise unseren Stoffwechsel.
Entscheidend ist die Regelmässigkeit. Schon alltägliche Bewegung kann viel zu unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden beitragen.
Selber erfahren, was guttut
Für mich ist die ketogene Ernährung keine strenge Diät, vielmehr ein weiteres spannendes Gebiet zum Erforschen meines Körpers.
Ich möchte damit niemanden von einer bestimmten Ernährungsweise überzeugen. Vielmehr möchte ich dazu ermuntern, neugierig zu bleiben, Gewohnheiten zu hinterfragen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht lohnt es sich, den Konsum von Zucker und kohlenhydratreichen Lebensmitteln einmal eine Zeitlang bewusst zu reduzieren und zu beobachten, wie der Körper darauf reagiert.
Ich finde es immer wieder spannend, wie anpassungsfähig unser Körper ist – und wie viel wir über ihn lernen können, wenn wir beginnen, aufmerksam hinzuspüren.
Quelle:
«Der Energie-Stoffwechsel in der Jäger- und Sammlerzeit»
von Dr. med. Ralph Manser, yoovel AG
Foto:
Peter Conlan on unsplash